JoJo Mode Kiel - Thema: Kleidungsgrößen

Thema: Kleidungsgrößen

Oder: Warum eine Größe 42 manchmal wie eine 38 oder eine 46 ausfallen kann (als Beispiel).

Wir bei JoJo unterstützen durch unsere bewusst ausgewählten Modelabel:

  • die Freude an der Vielfalt der Körperformen,
  • das Sich-Wohlfühlen mit dem eigenen Körper,
  • das Annehmen der Einzigartigkeit und der individuellen Ausdrucksformen, die einen als Menschen ausmachen
  • und das Wohlgefühl, Kleidung anzuprobieren, sich auszuprobieren, um das Zusammenspiel zwischen Mode und dem eigenen Körper persönlich zu erleben.
JoJo Mode Kiel - Thema: Kleidungsgrößen

7,8 Milliarden Menschen – 7,8 Milliarden verschiedene Körperformen

Es gibt ca. 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde. 

  • Das sind 7,8 Milliarden individuelle, niemals identische Körperformen, Körperproportionen, Körpergrößen. 
  • Und das sind 7,8 Milliarden einzigartige Bekleidungsvorlieben. 

Weltweit werden an die Bekleidung sich unterscheidende Notwendigkeiten gestellt. Bewohner kalter oder regenreicher Regionen benötigen eine andere Ausstattung als Bewohner heißer oder trockener Gebiete. Die Anforderungen an Arbeitskleidung sind andere als an Freizeitkleidung. Viele Menschen auf der Welt haben jedoch hinsichtlich der Wahl ihrer Kleidung keine echte Wahl: Sie haben nicht mehr als das, was sie am Körper tragen. 

Hinsichtlich der Unterschiede der Körper und der Vorlieben hat es Vorteile, dass es eine Bandbreite von Modelabels gibt. Die Label designen für unterschiedlichen Körpertypen und letztendlich auch für unterschiedliche Bedürfnisse und Geschmäcker.

  • Je nach Label (und oft auch innerhalb eines Labels) fallen Größen und Proportionen unterschiedlich aus. 
  • Verschiedene Labels richten sich häufig auch an unterschiedliche Zielgruppen.

Durch Anprobieren und Sich-Ausprobieren kann man seine Garderobe und seine Stilrichtung(en) herausfinden.

Der Versandhandel wiederum hat ein starkes Interesse an genormter Kleidung in einheitlichen Größen für möglichst einheitliche Körperformen, um Rücksendungskosten zu vermeiden. Das bedeutet:

  • Wer keine Norm-Körperform hat, hat bei Kleidung weniger Auswahl.
  • Die Vielfalt der Möglichkeiten für die Vielfalt der Menschen geht verloren.
  • Menschen haben immer weniger Chancen, sich ihrem Körperbau und ihrer Individualität entsprechend zu kleiden. (In einigen Fällen nehmen sie eine Veränderung ihres Körpers in Kauf, um Normen zu entsprechen.) 

Kleidung hat einen Wert jenseits von reinem Nutzen und Schutz

Kleidung hat schon früh einen Wert über den reinen Nutzen und den Schutz hinaus erhalten. Kleidung ist auch Schmuck, ist Selbst-Ausdruck, ist ein nonverbales Signalsystem. Kleidung ist auch nicht immer „vernünftig“. „Die Kleidung ist die einzige Kunstform, die nur in engem Zusammenspiel mit dem Körper entstehen kann.“ (Frank Berzbach, Saskia Wragge – „Die Sprache der Schuhe“, Midas/2017) 

Kleidungsstücke können auf einem Bild oder auf dem Bügel betrachtet für einen ansprechend oder aber unattraktiv aussehen. Aber sobald man die Kleidung an sich anprobiert, tritt sie mit dem eigenen Körper in ein Zusammenspiel ein. Und man empfindet individuell für sich: Das stimmt für mich – das stimmt nicht für mich. Das bin ich – das bin ich nicht. Das empfinde ich als vorteilhaft für meinen Körper – und das eher nicht. 

Und all das ist in ständigem Wechsel begriffen: Körperformen ändern sich mit dem Leben, Bedürfnisse und Vorlieben ändern sich. Im Zentrum steht das Wohlbefinden mit sich selbst, die Selbst-Annahme – Selbstliebe.

Wieso passt das nicht? Auf dem Etikett steht doch meine Größe!

Modenschauen, Fashion Weeks: Jedes Jahr wieder sind sie Laufsteg für die (meist) Super-Jungen, Super-Schlanken, Super-Schönen. Man sieht perfekte Körper in top-modischen Outfits aller Stilrichtungen.

Ist das, was auf dem Catwalk gezeigt wird, das, was der Mehrheit der Menschen passt? Die Erfahrung zeigt: Nein. Selbst „junge“ In-Marken passen selten „jungen Durchschnittsmenschen“

Die Maße bei Kleidungsgrößen werden (besonders bei jungen In-Marken) häufig stark nach unten geschraubt: Angeboten wird vorrangig für extrem dünne Figuren geschnittene Kleidung. Bei als „groß“ ausgezeichneten Größen folgt beim Anprobieren häufig eine Enttäuschung: Auch eine Größe L oder XL ist immer noch viel-zu-eng, viel-zu-schmal, viel-zu-klein. 

„Junge Marken“ bieten fast nur Kleidungsstücke mit den Größenetiketten:
• viele in XS (ca. 32-34)
• viele in S (ca. 34-36)
• viele in M (ca. 36-38)
• wenige in L (ca. 40-42)
• noch weniger in XL (ca. 42-44) oder größer

Eine „normale Größe S“ entspricht in etwa einer Größe 36 mit folgenden Bemaßungen:
> Brustumfang S (ca. 36): 86-88
> Taillenumfang S (ca. 36): 60-62
> Hüftumfang S (ca. 36): 93

Die Durchschnittsfrau in Deutschland benötigt keine Größe S (ca. 36), sondern die Größe L (ca. 42) bis XL (ca. 44) und größer. Einige Marken haben mittlerweile sogenannte Plus-Size-/Übergrößen-Linien auf den Markt gebracht. (Anm.: Bei vielen Model-Agenturen fängt Plus-Size übrigens bereits da an, wo klassische Models aufhören: ab Größe 38 aufwärts.) Die Frage ist, ob eine Größe XL oder mehr wirklich als Plus-Size, als Übergröße, zu bezeichnen ist oder, angesichts der Durchschnittsmaße der Frauen heute, nicht die „echte Normalgröße“ darstellt. 

Ganz wichtig: Jede Frau altert anders. Verallgemeinernd kann man jedoch sagen, dass besonders in der Lebensphase der Wechseljahre viele Frauen Figurveränderungen an sich wahrnehmen. Sie nehmen tendenziell an Gewicht zu. Bestimmte Körperpartien werden schmaler, andere fülliger. Kleidung, die einem passte, scheint plötzlich wie für einen anderen Körper gemacht worden zu sein. Und auf eine Art und Weise stimmt das auch: Menschen befinden sich en leben lang in Entwicklung und Veränderung. 

In den Wechseljahren beobachten Frauen zum Beispiel häufig folgende Figurveränderungen an sich:

  • Brust: Die Brüste werden größer, der Brustumfang nimmt zu.
  • Taille: Die Taille wird breiter.
  • Hüften: Um die Hüften herum werden Frauen oft fülliger.
  • Bauch: Auch um den Bauch herum nimmt man häufig zu.
  • Po: Tendenziell wird der Po flacher.

Ein weiteres Problem: Wenn Modemarken weltweit für Frauen angeboten werden, ohne Anpassung für das jeweilige Land, dann kommt es auch aufgrund der unterschiedlichen Durchschnittsmaße von Frauen weltweit zu Problemen. 

  • Frauen in Deutschland zählen mit 171 Zentimetern Durchschnittsgröße zu den größten Frauen.
  • Italienerinnen sind im Durchschnitt 162 Zentimeter groß,
  • Frauen in China und Brasilien 158 Zentimeter,
  • Frauen in Indien oder auf den Philippinen 1,53 Meter.
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Wie werden Bekleidungs-Durchschnittsgrößen überhaupt festgelegt?

Seit ca. 60 Jahren finden in Deutschland in größeren Abständen großangelegte Reihenmessungen zum Feststellen und Festlegen von Durchschnittsgrößen statt. 

Eine Reihenmessung mit Ergebnissen für die Textilbranche wurde 1994 durchgeführt. Seitdem haben sich die Körper der Deutschen jedoch verändert. 2009 erfolgte eine neue Reihenmessung: In der SizeGERMANY-Studie wurden die Körper von über 13.000 Personen (Männer, Frauen, Kinder) im Alter zwischen 6 und 87 Jahren vermessen.

Obwohl die Ergebnisse der „Size Germany“-Untersuchung seit 2009 vorliegen, haben die Bekleidungs-Hersteller ihre Kleidungsstücke immer noch nicht auf die neuen Ergebnisse abgestimmt. Viele Hersteller fertigen stattdessen gezielt nach ihren eigenen Bemaßungs-Vorstellungen.

  • Das bedeutet, dass man bei Kleidung für eher junge Menschen oft von extrem kleinen Maßen ausgeht. Jeansfabrikanten bieten Hosen häufig nur bis Weite 32 an (in etwa bestenfalls eine deutsche Größe 42) oder höchstens 33 (zwischen 42 und 44).
  • Der Trend geht bei einigen Herstellern sogar noch weiter in Richtung „kleiner und noch kleiner“: Minimalgrößen wie z.B. die in den USA bekannte „Größe Zero“ (das ist etwa eine deutschen Größe 32) entspricht den Maßen einer Zwölfjährigen: Größe ab ca. 164 cm, Brustumfang 74-77 cm, Taillenumfang ca. 60-62 cm, Hüftumfang 84-87 cm.

Laut den Ergebnissen der SizeGERMANY-Studie 2009 sind dies (s. unten) die Maße der durchschnittlichen Frau in Deutschland (in Klammern stehen die durchschnittlichen Veränderungen seit 1994):
• Größe: 165,8 cm (+ 1 cm),
• Brustumfang: 98,7 cm (+ 2,3 cm),
• Taillenumfang: 84,9 cm (+ 4,1 cm),
• Hüftumfang: 102,9 cm (+1,8 cm).

Die „Durchschnittsfrau“ in Deutschland passt heute also in eine Kleidungsgröße 42-44. (Warum die Körper sich so verändern, darüber gibt es keine Aussagen.)

Die Ergebnisse der SizeGERMANY-Studie sollen eine Grundlage für ein neues System von Konfektionsgrößen liefern, so dass Kleidung dann wieder besser passt. Eine „neue Größe 36“ z.B. wird dann nicht mehr mit der „alten Größe 36“ identisch sein: 
• Bei der „neuen Größe 36“ soll der Schnitt dann zum Beispiel in der Taille um 1 Zentimeter vergrößert, 
• bei der Hüfte um 1 Zentimeter verringert werden.

Ob und wann das wirklich von allen Herstellern so umgesetzt wird, das wird die Praxis zeigen.

Wie werden Bekleidungs-Durchschnittsgrößen überhaupt festgelegt?

Bei weltweit 7,8 Milliarden individuellen, niemals identischen Körperformen, Körperproportionen, Körpergrößen bietet es aber auch Vorteile, wenn Marken unterschiedliche Formen anbieten. Und es kann auch positiv sein, wenn Größen verschiedener Marken unterschiedlich ausfallen: Es gibt Kleidung und Mode für die Vielfalt und Einzigartigkeit der Menschen. 

Wenn es nur noch „genormte“ Kleidung gibt, wenn es nur noch „genormte Größen“ gibt, dann würde damit auch die Vielfalt der Mode für viele unterschiedliche Körperformen wegfallen. Und viele Menschen hätten immer weniger Chancen, sich ihrem individuellen Körperbau und ihrem Geschmack entsprechend zu kleiden. 

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